„Goaßkas“ vom Faslarhof

Der Käse ist rund, die Landschaft steil. So steil, dass „die Hennen a Steigeisen brauchen“, wie der Volksmund über Stilfs sagt. Das malerische Bergdorf ist eines der beiden Dörfer im Nationalpark Stilfserjoch. Über seinen Fußballplatz ist ein Netz gespannt, damit der Ball nicht im Tal drunten landet. Hier, oberhalb des eigentlichen Dorfes, liegt der Faslarhof, den Jungbauer Manuel Haas zusammen mit seiner Frau Petra und ihrem kleinen Sohn Noah bewirtschaftet.

Die junge Familie nennt eine Ziegenzucht mit rund neunzig Tieren ihr eigen. Es sind deutsche Edelziegen. Die Milch dieser fruchtbaren, widerstandsfähigen und langlebigen alten Rasse ist besonders wertvoll. Bauer Manuel melkt und füttert seine Ziegen zeitig in der Früh und noch einmal am Abend. Der gelernte Elektriker geht somit drei Vollzeitberufen gleichzeitig nach, denn auch der Käse wird am Hof produziert. Ohne die Mitarbeit seiner Frau Petra wäre das nicht möglich. Auch sie ist vielbeschäftigt als Bäuerin, Produzentin und Mutter. Dass die Ziegen artgerecht leben und gesund bleiben, ist für die Familie das wichtigste. Auch deshalb, weil man sich den Tierarzt und unnötigen Zeitaufwand erspart, wenn die Tiere gesund sind. Darum dürfen die Jungkitze drei Monate lang bei der Ziegenmutter saugen, um kräftig und widerstandsfähig zu werden. Ziegen sind ja bekanntlich heikel, wenn es um ihre eigene Lebensqualität geht und essen nur feinste Gräser und Kräuter. Diese Eigenehit der Ziegen wurde bereits von den Gebrüdern Grimm in „Tischlein deck dich“ aufgenommen, wo sich die Ziege beim Bauer über seine Söhne beschwert.

Der Käse, der aus Ziegenmilch entsteht, wird in Südtirol „Goaßkas“ genannt, also „Geißkäse“. Produziert werden verschiedene Ziegenkäsesorten, unter anderem für die Dorfkäserei Prad, die dank zahlreicher Unterstützer aus dem Vinschgau und auch Nordtirol aus der Versenkung geholt und zu neuem Leben erweckt wurde. Der Hartkäse Plamund reift zwei Monate und wird als ganzer Leib sowie stückweise verkauft. 15 Tage Reifezeit benötigt der Ziegenweichkäse Caschlin, den es auch in PurSüdtirol zu kaufen gibt, und etwa doppelt so lang lagert der etwas intensivere Dulbant. Auch Ziegenjoghurt und Caciotta, den berühmten italienischen Frischkäse, produzieren die Faslarhofbauern. Damit unterstreichen sie auch die Nähe zum Veltlin auf der italienischen Seite des Nationalparks, denn auch die Käsetraditionen haben die Berggipfel schon vor langer Zeit überwunden.

Bauer Manuel hat bereits weitere Projekte. So baut er langsam und nachhaltig den Stall weiter aus und hat im Keller einen neuen Raum für die eigene Hofkäserei eingerichtet. Denn der Traum des Elektrikers ist es, eines Tages hauptberuflich Ziegenbauer zu sein.


Kontakt:
Manuel Haas
Faslar 15
39029 Stilfs
Tel. 3481094758
haasmanuel29@yahoo.de