Lebensraum Gebirgsbach
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Lebensraum Gebirgsbach

Im Gebirgsbach fließt kaltes und sauerstoffreiches Wasser über eine unruhige Fließstrecke. Die Bachsohle ist aus unterschiedlichem Material zusammengesetzt: gewachsener Fels, Steine, Schotter, Sand und Lehm wechseln in den bewegten und ruhigen Abschnitten des Bachlaufes ab und werden bei Hochwasserführung immer wieder neu sortiert. Die Vegetation unter Wasser ist auf Algen und Moose beschränkt. Unter und zwischen den Steinen leben am Bachgrund aber tierische Kleinlebewesen in einer großen Artenvielfalt. Dabei handelt es sich vorwiegend um submers lebende Larvenstadien von Insekten (v.a. von Eintagsfliegen, Steinfliegen, Köcherfliegen und Zweiflüglern). Weiters leben in diesem aquatischen Ökosystem Weichtiere, Krebse, Ringelwürmer und andere Gruppen niederer Tiere. Aus der einheimischen Fischfauna leben im Bergbach die Vertreter aus der Familie der Forellenartigen (Salmoniden). So ist der Gebirgsbach angestammte Lebensraum der Bachforelle (Salmo trutta). Eingeführte Arten sind die Regenbogenforelle Oncorhynchus mykiss) und der Bachsaibling Salvelinus fontinalis).

Die Marmorierte Forelle (Salmo trutta marmoratus)
Die Marmorierte Forelle (Salmo trutta marmoratus) ist eine wertvolle einheimische Art der Weißfische, deren genetisches Gut rein erhalten werden soll. In der Fischzucht des Landes Südtirol werden daher aus Muttertieren Eier gewonnen, künstlich besamt und herangezogen, um als Setzlinge in bestimmten Schonstrecken von Fließgewässern eingesetzt zu werden. In diesen Gewässerabschnitten ist der Besatz mit anderen Forellenarten untersagt, um die Marmorierte Forelle genetisch artenrein zu erhalten. Die Marmorierte Forelle kommt nur in jenen Gewässern Oberitaliens vor, welche in das Adriatische Meer entwässern (Endemismus). Man erkennt sie an der Marmorierung aus grünen, schwarzen und weißen Farbmusterungen am Körper und an der Fettflosse der Salmoniden. Die Fischkundler betrachten die Marmorierte Forelle derzeit als eine Unterart, also nicht als eine eigene Art, sondern als eine Art in Evolution. Die Marmorierte Forelle unterscheidet sich von der Bachforelle sowohl im äußeren Aussehen, als auch im Verhalten. Sie ähnelt der Bachforelle aber noch so stark, dass sie mit ihr fortpflanzungsfähigen Nachwuchs erzeugt.
Fließgewässer und stehende Gewässer
Der Nationalpark Stilfserjoch liegt im Zentrum der Alpen und damit in einem der Wasserschlösser Europas mit unverzichtbaren Reserven an Süßwasser. Weltweit bestehen nur 3% der Wasservorkommen aus Süßwasser. Die Gewässer des Nationalparks Stilfserjoch sind eine wertvolle Ressource, auf welche der Nutzungsdruck besonders in Zeiten der Erderwärmung und des Klimawandels zunimmt.
Vom Quellbach zum Niederungssee unterscheiden wir zwischen Fließgewässern und stehenden Gewässern. Zu den Fließgewässern gehören Quellbäche, Schmelzbäche und Flüsse. Zu den langsam fließenden Gewässern zählen wir die häufig künstlich angelegten Kanäle und Abflussgräben in den Talsohlenböden. Sie wurden häufig zur Entwässerung landwirtschaftlicher Kulturflächen angelegt. Wegen des hohen Nährstoffeintrages weisen diese Abflussgräben oft einen dichten Pflanzenbewuchs auf. Sie sind Lebensraum für fast ein Dutzend kleiner Fischarten Südtirols, von denen die meisten zu den ganzjährig geschützten Arten gehören. Zwei Beispiele für solche Grabenbewohner sind die Elritze oder Pfrille (Phoxinus phoxinus) und der Dreistachelige Stichling (Gasterosteus aculeatus).
Zu den stehenden Gewässern gehören die Seen. Im Gebirgsland Südtirol können wir zwischen Hochgebirgsseen und Niederungsseen unterscheiden. Die alpinen Hochgebirgsseen weisen kalte Wassertemperaturen auf, sind mehrere Monate des Jahres zugefroren, dunkel und lebensfeindlich, sauerstoffreich, aber nährstoffarm. Nur extrem angepasste Spezialisten unter den heimischen Fischarten überleben unter solchen extremen Lebensraumbedingungen. Zu diesen Arten in Hochgebirgsseen zählt etwa der Seesaibling (Salvelinus alpinus).
Unter den stehenden Gewässern Südtirols ist der Kalterer See der größte und bekannteste. Sein im Sommer warmes, nährstoffreiches aber gegenüber Gebirgsbächen sauerstoffärmeres Wasser beherbergt die hochrückigen Fischarten wie Karpfen (Cyprinus carpio), Karauschen (Carassius carassius), Schleien (Tinca tinca), Brachsen (Abramis brama) und weiter Arten der Familie der Karpfenartigen (Cyprinidae). Die Lebensgemeinschaft der Fische im Kalterer See besteht aus 12-15 Arten zwischen Pflanzenfressern, Fleischfressern und Allesfressern. Pflanzenfressende Fische ernähren sich von Plankton, Algen, Mikrozoobenthos mit wirbellosen Tieren. Die fleischfressenden Fische wie der Hecht (Esox lucius) oder der Flussbarsch (Perca fluviatilis) sind Raubfische und bilden die oberen Glieder der Nahrungskette.
Drei Fischfamilien bilden den Fischbestand Südtirols
Die meisten rezenten Fischarten in Südtirol können in der zoologischen Systematik drei Familien zugeordnet werden: den Forellenartigen (Salmoniden), den Karpfenartigen (Cypriniden) und den Barschen (Perciden).
Die Forellenartigen umfassen die Bach-, Regenbogen-, See- und Marmorierte Forelle, den See- und den Bachsaibling, die Renke und die Äsche. Die Salmoniden sind Fleischfresser Forellen und Saiblinge haben eine stromlinienförmige Körpergestalt und trotzen mit dieser Form der starken Strömung im Oberlauf von Bächen. Die sauerstoffreichen Gewässer der Gebirgsseen und der Bäche werden in der Fischökologie deswegen als „Forellenregion“ oder als Sauerstoffregion bezeichnet. Ein Erkennungsmerkmal aller Salmoniden-Arten ist die Fettflosse als zweite Rückenflosse. Alle einheimischen Salmoniden-Arten sind Kaltwasserlaicher. Im Laichzug schwimmen sie bachaufwärts bis in die ruhigeren Gewässer der Quellbäche und legen ihre Eier in den Wintermonaten zwischen November und Jänner ab. Um den Nachwuchs zu sichern, gilt für die Salmoniden daher eine Schonzeit mit Fischereiverbot bis 15. Februar.
Fünf große Wassereinzugsgebiete im Gebiet des Nationalparks Stilfserjoch
Das Gebiet des Nationalparks Stilfserjoch wird von einem dichten Netz an Gebirgsbächen durchzogen und beherbergt viele naturbelassene hochalpine Seen. Mit acht Stauseen (u.a. in Martell und Ulten) musste auch ein Tribut an den Bedarf an hydroelektrischer Energie gezahlt werden.
Die Wassereinzugsgebiete können fünf Hauptbächen und Flüssen zugeordnet werden:
Das Wassereinzugsgebiet des Spöl: Der Spöl entspringt in den Bergen von Livigno, speist den gleichnamigen Stausee der Engadiner Kraftwerke und entwässert bei Zernez im Schweizer Engadin in den Inn und schließlich nach dessen Zusammenfluss mit der Donau bei Passau in das Schwarze Meer.
Das Wassereinzugsgebiet der Adda: Die Adda entwässert das lombardische Veltintal. Sie entspringt an den Quellen in der Val Alpisella im Dolomitgebiet von Cancano bergseits von Bormio, durchfließt den Comosee und entwässert in den Po und damit in das Adriatische Meer.
Das Wassereinzugsgebiet des Oglio in der Valle Camonica in der lombardischen Provinz Brescia: Der Oglio mit seinen zwei Quellbächen Frigidolfo aus der Valle delle Messi und Arcanello aus der Valle di Viso mündet in den Iseosee und schließlich ebenfalls in den Po. Erwähnenswert sind auch hier einige Hochgebirgsseen, so die dreizehn Laghi di Seroti und die acht Laghi di Ercavallo.
Das Wassereinzugsgebiet des Noce im Sulz- und Nonsberg: Der Noce entwässert die Hochtäler Rabbi und Peio, welche an der Südabdachung von Cevedale und Monte Vioz den Trentiner Anteil des Nationalparks Stilfserjoch bilden. Der Noce mündet bei Kronmetz oberhalb von Trient in die Etsch.
Das Wassereinzugsgebiet der Etsch: Die Etsch entspringt an der Wasserscheide am Reschenpass, durchfließt den Vinschgau und das Etschtal in Südtirol. Aus dem Nationalpark Stilfserjoch nimmt sie die Seitenbäche Rambach, Trafoibach, Suldenbach, Laaser Bach, Plima (Martell) und Falschauer (Ulten) auf und entwässert in das Adriatische Meer.
Bioindikator Wasseramsel
Wie die Alpengletscher ein Fiebermesser für die menschengemachte Erderwärmung sind, ist die Wasseramsel (Cinclus cinclus) ein sensibler Bioindikator aus der Vogelwelt für die Wasserqualität des Gebirgsbaches. Wo dieser Tauch- und Schwimmvogel vorkommt, ist das Wasser sauber. In der zoologischen Systematik sind die Wasseramseln eine eigene Familie, welche der Familie der Zaunkönige nahesteht. Beide Vogelfamilien gehören zur Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes).
Amt für den Nationalpark Stilfserjoch
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